Winterrundbrief 2014

Wir sind mitten drin in der Winterfütterung 2013/14. Wieder müssen wir feststellen, dass uns auf vielen Betrieben das, worum wir uns im letzten Sommer redlich bemüht haben, nämlich gute, stabile und schmackhafte Grassilagen herzustellen, nicht immer gelungen ist. Und das, obwohl keine offensichtlichen Fehler beim Verdichten, Abdecken usw. gemacht worden sind.

Auch eingesetzte Siliermittel lassen nach bisherigen Vergleichen keine Rückschlüsse auf deren Wirksamkeit zu. Ist es so, dass die guten Silagen, die wir ja auch auf vielen Betrieben finden, ein Geschenk des Glücks sind?

Für alle, die Ihre Silagequalität nicht dem Glück alleine überlassen wollen, sondern bei der Lösungen der anstehenden Fragen aktiv mitarbeiten möchten, gibt es die „Projektgruppe Gras-und Silagequalität„. Neue Teilnehmer sind herzlich eingeladen am nächsten Treffen der Gruppe am 17. Januar teilzunehmen.

An diesem Abend werden wir uns mit den Ergebnissen der Gras-und Silageuntersuchungen des letzten Jahres beschäftigen. Gerade die Nitrat- und Gesamtzuckeruntersuchungen geben uns wichtige Hinweise auf deren Gehalte in den Pflanzen im Vegetationsverlauf. Diese Werte bestätigen sich auch in den Silageuntersuchungen. Einen Überblick über die Werte von 2013 finden Sie auch im Herbstrundbrief.

In der laufenden Winterfütterung zeigt sich eindeutig, dass die Nitratgehalten neben dem Eiweißabbau in den Silagen eine wesentliche Rolle für die Tiergesundheit spielen. Das bestätigt auch Dr. Höltershinken von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Er hat dieses Thema auf der Veranstaltung im November 2013 aufgegriffen und wird uns auch in diesem Jahr bei der weiteren Arbeit zur Gras-und Silagequalität von wissenschaftlicher Seite unterstützen. Lassen Sie auf jeden Fall auch den Nitratgehalt in der Grundfutteranalyse der Grassilagen mit untersuchen. Am 17. Januar werden wir auch von ersten Versuchen aus einigen betroffenen Betrieben berichten, wie wir die negativen Auswirkungen im Bestand reduzieren können.

Der Erfolg im Kuhstall ist jedoch nicht nur von guten Silagen abhängig. Bei wachsenden Kuhbeständen und Gesamtbetrieben dürfen wir den Überblick im Betrieb nicht verlieren.
Die Grundlage für wirtschaftliche Milchviehhaltung ist ein gutes Herdenmanagement, eine konsequente Kostenanalyse und betriebswirtschaftliche Auswertung aller Betriebszweige.
Zu diesem Thema habe ich Herrn Berthold Drilling von der Firma bsp agrosoft gebeten, uns die Programme der Firma zu Fütterung, Herdenmanagment und Auswertung der MLP Daten vorzustellen.

winterrundbrief-2014Winterrundbrief 2014 als Pdf

14.01.2014 Milchviehhaltertag in Herrieden

Am Dienstag, den 14. Januar 2014 findet im im Gasthof Bergwirt, Schernberg 1, 91567 Herrieden, der Milchviehhaltertag 2014 statt.

Programm

  • 9:00 Uhr
    Eröffnung und Begrüßung
    Hans Walter, AELF Ansbach
  • 9:15 – 10:30 Uhr
    Grundüberlegungen zur wirtschaftlichen Milchviehhaltung – Erfahrungsbericht aus langjähriger Beratungstätigkeit
    Rudolf Leifert, selbstständiger Berater für Milchviehhaltung, Rheinland-Pfalz
  • 10:30 – 11:30 Uhr
    Landwirte und Tierärzte reden miteinander, aber aneinander vorbei – Wie kann die Kommunikation besser laufen?
    Dr. Peter Zieger, Tierarzt, zoetis
  • 11:30 – 12:30 Uhr
    Mittagessen
  • 12:30 – 13:30 Uhr
    Optimale Tierernährung beginnt mit der Düngung im Grünland
    Dr. Karl-Heinz Neuner, K+S Kali GmbH
  • 13:30 – 14:30 Uhr
    Mit der Betriebszweigauswertung die Wirtschaftlichkeit des eigenen Betriebes hinterfragen
    Johann Paulus, AELF Neumarkt
  • ca. 14:30 Uhr
    Ende der Veranstaltung

Veranstalter

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ansbach
Sachgebiet L 2.2.

Vortrag zur wirtschaftlichen Milchviehhaltung bei der AELF Ansbach

Am 14. Januar 2014 referiere ich zur wirtschaftlichen Milchviehhaltung im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach (Sachgebiet L 2.2.)

Hier die Details zur Veranstaltung:

Milchviehhaltertag

Im Gasthof Bergwirt,  Schernberg 1, 91567 Herrieden

Programm

  • 9:00 Uhr
    Eröffnung und Begrüßung
    Hans Walter, AELF Ansbach
  • 9:15 – 10:30 Uhr
    Grundüberlegungen zur wirtschaftlichen Milchviehhaltung – Erfahrungsbericht aus langjähriger Beratungstätigkeit
    Rudolf Leifert, selbstständiger Berater für Milchviehhaltung, Rheinland-Pfalz
  • 10:30 -11:30 Uhr
    Landwirte und Tierärzte reden miteinander, aber aneinander vorbei – Wie kann die Kommunikation besser laufen?
    Dr. Peter Zieger, Tierarzt, zoetis
  • 11:30 -12:30 Uhr
    Mittagessen
  • 12:30 -13:30 Uhr
    Optimale Tierernährung beginnt mit der Düngung im Grünland
    Dr. Karl-Heinz Neuner, K+S Kali GmbH
  • 13:30 -14:30 Uhr
    Mit der Betriebszweigauswertung die Wirtschaftlichkeit des eigenen Betriebes hinterfragen
    Johann Paulus, AELF Neumarkt
  • ca. 14:30 Uhr
    Ende der Veranstaltung

Anmeldung

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach
Rügländer Straße 1, 91522 Ansbach
Tel.: 0981 8908-0
Fax: 0981 8908-199
E-Mail: poststelle@aelf-an.bayern.de

Programm als pdf-Dateiplakat-milchviehhaltertag-a

Seminar über die Fütterung der Milchkuh in der Grünlandregion

Herzliche Einladung zu einer Vortragsveranstaltung am Montag, den 11. November 2013 findet in der Gaststätte „Birgeler Hof „, Hauptstraße 31, 54587 Birgel zum Thema:

Die Fütterung der Milchkuh in der Grünlandregion

Programm:

milchkuh-gruenland

© jokatoons – Fotolia.com

  • 10:00 Uhr Begrüßung und Einführung
    Aktuelle Ergebnisse von Gras- und Silageproben aus der Region
    Rudolf Leifert
  • 10:30 Uhr Der Pansen – nur Gärkammer oder auch Schutzwall für die Kuh
    Qualitative Beurteilung verschiedener Futtermittel für die Pansenfunktionen
    Dr. Höltershinken , Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Vortrag mit Aussprache
  • 12:00 Uhr Mittagspause
  • 13:00 Uhr Blutproben und andere Laboruntersuchungen im Milchviehbetrieb –   Wann sind welche Untersuchungen sinnvoll?
    Dr. Höltershinken , Vortrag mit Aussprache
  • 14:30 Uhr Vorstellung der Projektgruppe „Gras-und Silagequalität“
    Rudolf Leifert
  • 15:30 Uhr. Ende der Veranstaltung

Die Seminargebühr beträgt 25,00 € je Teilnehmer. Der Beitrag wird zum Veranstaltungsbeginn in bar erhoben. Die Veranstaltung wird von der Dr. Schaette GmbH, Bad Waldsee, unterstützt.

Herbstrundbrief

Das Erntejahr 2013 ist fast abgeschlossen und es gilt jetzt, auf der Grundlage der vorhandenen, betriebseigenen Futtermittel eine Futterplanung für die vor uns liegende Futtersaison zu gestalten.  Ziel muss sein, eine TMR bzw. eine Ration zu gestalten, die über einen möglichst langen Zeitraum gefüttert werden kann, um so zusätzliche Belastungen für die Kuh durch häufigen Futterwechsel zu vermeiden. Dies geht nur mit individuellen Lösungen, bei denen die vorhandenen Silagen des jeweiligen Betriebes in Menge und Qualität berücksichtigen werden. Doch wie ist die bisherige Ernte in Menge und Qualität zu beurteilen?

Maissilagen

© motivation1965 - Fotolia.com

© motivation1965 – Fotolia.com

Die Maisbestände in der Eifel entwickelten sich in diesem Jahr sehr unterschiedlich, dazu kamen in vielen Beständen erhebliche Drahtwurm- und Wildschäden. Es zeigt sich wieder einmal, dass der Maisanbau nicht auf allen Standorten in der Eifel wirtschaftlich ist. Hier sollte in Zukunft genau überlegt werden, welche Flächen zum Maisanbau genutzt werden. Auf Flächen, auf denen im Schnitt der Jahre nicht mindestens 38-40 Tonnen Maissilage mit mindestens 30% TM erzielt werden können, sollte dringend eine andere Nutzung in Betracht gezogen werden.

Luzernegrasansaat unter Hafer Deckfrucht nach Drahtwurmschaden

Luzernegrasansaat unter Hafer Deckfrucht nach Drahtwurmschaden

Grassilage und Heu

© womue - Fotolia.com

© womue – Fotolia.com

Bei den Grassilagen war durch den langen Winter und die Regenperiode im Mai in den meisten Regionen der Eifel erst Anfang Juni der erste Schnitt möglich. Die Gräser waren zu diesem Zeitpunkt je nach Lage am Anfang des Ährenschieben bis zum Beginn der Blüte. Der überwiegende Teil der Bestände war sehr gut entwickelt, die Untergräser, die in den letzten 2 Jahren durch die Trockenperiode 2011 und die starken Mäuseschäden gelitten hatten, konnten sehr gut regenerieren, so dass in den meisten Regionen der 1. und 2. Schnitt mengenmäßig überdurchschnittlich gut ausgefallen ist. Auch der Schmutzanteil war durch die sehr dichten Narben und die guten Erntebedingungen Anfang Juni gering. Der 3.Schnitt fiel in Folge der Sommertrockenheit gering aus. Der letzte Schnitt wird zurzeit eingebracht, die Qualitäten wird man nach den Analysen der einzelnen Betriebe beurteilen müssen.

Die Heuernte, gerade auf den PAULA Flächen, war dieses Jahr im Juli bei optimalen Witterungsbedingungen möglich. Durch den langen Winter und den verzögerten Vegetationsbeginn waren die Bestände am Ende des Ährenschiebens bis in der Blüte. Es liegen einige Analyseergebnisse vor die zeigen, dass der Energiegehalt bei guten Qualitäten überdurchschnittlich hoch ist. Damit kann dieses Heu durchaus eine günstige Alternative darstellen, um die Rationen wiederkäuergerecht zu gestalten.

Hafer-Erbsengemenge

Hafer-Erbsengemenge

Es zeichnet sich aber ab, dass die Grundfuttermengen und Qualitäten in vielen Betrieben nicht ausreichend sein werde. Jetzt können noch Ersatzfuttermittel wie Heu, Pressschnitzel, Biertreber und evtl. auch Maissilage oder CCM zugekauft werden. Hier kann ich Ihnen bei der Vermittlung von Lieferanten behilflich sein.

Grundfutterqualität und Überlegungen zur Rationsgestaltung der Winterfütterung.

Die Grundlage für eine wirtschaftliche Milcherzeugung ist immer die Qualität des Grundfutters. In den Grünlandregionen bilden die Grassilagen mit einem Anteil von 50-100% den größten Anteil am Grundfutter. Dadurch ergeben sich andere Anforderungen an eine gute Grassilage als in Ackerbauregionen, in denen wir Rationen mit überwiegendem Maisanteil haben. Dies ergibt sich aus der Problematik des Reineiweißabbaus und den unterschiedlichen Anteilen verschiedener NPN Verbindungen am Rohprotein und aus den starken Schwankungen im Energiegehalt und deren Qualitäten, wie Zucker, Zellulose und Rohfaseranteil.

Die genannten Parameter werden aber nicht nur durch die Qualität der Grasbestände und des Schnittzeitpunktes bestimmt, sondern ganz erheblich durch den Silierprozeß. Das heißt, die Fütterung der Milchkühe in Grünlandregionen ist wesentlich komplexer und größeren Schwankungen ausgesetzt,  als die Fütterung in den Ackerbauregionen auf der Grundlage von Maissilagen. Hier ist es dringend notwendig, die Zusammenhänge differenziert zu betrachten und zu praxistauglichen, preiswerten Rationsgestaltungen zu kommen, die auch den Anforderungen an eine hohe Tiergesundheit gerecht werden. Nur so können kann in den Grünlandregionen eine wirtschaftliche Milcherzeugung betrieben werden.

Zu diesen Themen habe ich am 11.11.2013 Herrn Dr. Höltershinken von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover für ein Tagesseminar gewinnen können. Er beschäftigt sich als Wissenschaftler intensiv mit diesen Fragen und kann uns sicherlich wichtige neue Erkenntnisse vermitteln, die uns helfen, die individuellen Fütterungskonzepte auf den jeweiligen Milchviehbetrieben zu optimieren.

Zudem möchte ich Sie auf die Projektgruppe „Gras- und Silagequalität“ hinweisen, die ich im Juni 2013 mit einigen Landwirten gegründet habe. Ziel dieses Projektes ist die langfristige Verbesserung der Gras-und Silagequalität.

Folgende Parameter werden untersucht:

  • Erfassung der Grasbestände mit Nutzungsdauer und bestandsbildenden Gräsern.
  • Erfassung der Düngungsmengen und Düngerformen
  • Bestimmung von Nitrat, Ammonium und Gesamtzucker am Schnittzeitpunkt
  • Erfassung der eingesetzten Siliermittel
  • Einheitliche Beprobung der Silagen 8-10 Wochen nach Fertigstellung der Silagen, Anfang Dezember und, wenn noch vorhanden, im März
  • Beurteilung der Schmackhaftigkeit der Silagen.

Interessenten, die in dieser Gruppe mitarbeiten möchten, können sich gerne bei mir melden.

In diesem Jahr sind bereits auf 12 Betrieben etwa 25  Grasbestände direkt vor dem Schnittzeitpunkt untersucht und Düngermengen und Düngerformen erfasst worden. Mitte Mai habe ich diese Untersuchungen zum Teil in 3-4tägigen Abständen vorgenommen.
Vor allem die Nitrat- und Gesamtzuckergehalte in den Presssäften der Gräser geben deutliche Hinweise auf die Düngerformen, die Aufteilung der Gaben, die Zusammensetzung und die Entwicklung der Bestände.

Presssaftuntersuchung

Presssaftuntersuchung

Sehr interessant ist die Entwicklung der Zuckergehalte. Hier zeigte sich, das zumindest in diesem Jahr:

  • Der Gesamtzuckergehalt zum Ährenschieben und bei abnehmendem Nitratgehalt zunimmt,
  • sehr stark von den bestandsbildenden Arten bestimmt wird und
  • nicht so stark von der Sonneneinstrahlung, wie zunächst angenommen.

Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der Silageuntersuchungen vom 1. Schnitt vor, so dass Rückschlüsse auf die Grasuntersuchungen möglich sind. Zu den üblichen Parametern untersuchen wir den pH-Wert, den Reineiweißgehalt und die NPN Verbindungen Nitrat (NO3) und Ammoniak (NH3). Dabei zeigt sich, dass die Nitrat- und Gesamtzuckerergebnisse aus den Bestandsuntersuchungen in den Silagen bestätigt werden. Auch der Einsatz von Siliermitteln lässt Rückschlüsse zu.

Etwas enttäuscht haben mich die Rohproteingehalte der Silagen. Sie liegen zum großen Teil bei 120-130 g/kg TM. Hier hätte ich 130-150 g/kg TM erwartet.
Sehr unterschiedlich sind die Ergebnisse der Reineiweißgehalte der Silagen. Diese schwanken zwischen 35% und 70 % des Rohproteins. Eine Ursache für die Stabilität des Eiweißes scheint in der TM zu liegen. Alle Silagen mit hohen Reineiweißgehalten liegen im oberen Bereich der TM (45%-75%). Allerdings haben nicht alle Silagen mit hohen TM Gehalten auch hohe Reineiweißgehalte.

Die Ammoniakgehalte (NH3) liegen mit 7-8 % zurzeit noch im empfohlenen Rahmen(unter 8 %). Die Gefahr, dass diese Werte durch weiteren Eiweißabbau durch Clostriedien, Listerien usw. ansteigen, ist in diesem Jahr bei hohen TM Gehalten und sauberen Silagen verhältnismäßig gering. Dieser Prozeß hat im letzten Jahr zu erheblichen Qualitätseinbußen geführt. NH3 Gehalte von bis zu 15 % des gesamt N Gehaltes und Reineiweißanteile von unter 40 % des Rohproteins führten häufig zu Silagen, die von den Kühen nicht mehr gerne gefressen wurden. Aber gerade die Schmackhaftigkeit der Silagen ist  eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine hohe TM-Aufnahme der Kühe und somit für die erfolgreiche Rationsgestaltung.

Auf das Thema Eiweißabbau in Silage und was dabei in der Fütterung und Rationsgestaltung zu beachten ist, wird Herr Dr. Höltershinken in seinen Vorträgen am 11.11.2013 eingehen.
Mit den Energiegehalten der Silagen von ca. 6 NEL  konnte man auf Grund des Schnittzeitpunktes rechnen. Sicherlich wären hier Ergebnisse mit 6,2-6,4 NEL erfreulicher gewesen. Wir müssen uns allerdings in der Milchviehfütterung auch der Tatsache bewusst sein, das wir in besonderer Weise, und dies gerade in den Grünlandregionen der Mittelgebirgslagen wie der Eifel, jedes Jahr mit anderen klimatischen Bedingungen zu tun haben werden. Jeder Landwirt versucht unter diesen Bedingungen immer wieder das Optimum zu erreichen. Dennoch kann es aufgrund von Witterung, Technischen Möglichkeiten und Verfügbarkeiten nicht gelingen, dass alle Landwirte am richtigen Tag das Richtige tun.

Beachten sollten wir in diesem Jahr auch die Mineralstoffgehalte der Silagen. Die Phosphorwerte mit 2,5-3,8 g/kg TM liegen durchaus im normalen Rahmen für die Eifel. Dagegen liegen die Kalziumwerte oft 1-1,5 g niedriger als in den letzten Jahren. Auch die Eisenwerte sollten immer wieder mit untersucht werden. Diese Werte sind in 2013 nicht so hoch wie in den letzten Jahren. Das hat sicherlich auch mit der geringeren Verschmutzung bei der Ernte zu tun. Dennoch finden sich in vielen Regionen der Eifel Werte weit über den 50-100 mg/kg TM, dem eigentlichem Bedarf der Kuh. Untersuchte Werte bis zu 1.500 mg führen unter bestimmten Voraussetzungen zu erheblichen Festlegungen und Einschränkungen in der Wirksamkeit anderer Mineralstoffe und Spurenelemente.

© Visionsi - Fotolia.com

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Soweit einige Gedanken und Anregungen zur Winterfütterung.  Gerne stehe ich für weitere Fragen und Zusammenarbeit zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei der Rationsgestaltung und „Glück im Stall“für die Wintersaison.

Phosphorversorgung rund um die Abkalbung beim Milchrind

Im Rahmen eines eintägigen Seminars „Fruchtbarkeit beim Milchrind“ in Theorie und Praxis am 23. April 2013 unter Leitung von Herrn Rudolf Leifert in Birgel/Eifel stellte Dr. Siegfried Kalchreuter/Bayern die Bedeutung des Phosphors für das Fruchtbarkeitsgeschehen in den Mittelpunkt seines Referates.

Unter guter fachlicher Praxis ist auch die Einhaltung der Harmonie Boden-Pflanze- Tier zu verstehen. Ausgangspunkt des landwirtschaftlichen Betriebes  ist und bleibt der Boden mit entsprechender Pflege. Ein mit Mineralstoffen gut versorgter Boden ist auf lange Sicht die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde und leistungsfähige Milchviehhaltung – „Boden und Düngung machen das Tier“.

Unsere Großväter/ Väter wussten  um die Bedeutung der segensreichen jährlichen Düngung mit Thomasmehl. Doch sollte heutzutage  die Verteuerung der weltweit immer knapper werdenden Phosphorvorkommen nicht zu Lasten der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Nutztiere gehen, denn Phosphor (P) ist nun mal mit der wichtigste Leitmineralstoff. Er hat eine entscheidende Funktion für die generative Phase. So fördert er im Getreide die Blühfreudigkeit, den Korn- und Fruchtansatz, die Widerstandskraft gegen Krankheiten und Streßsituationen wie Hitze, Kälte und Nässe.  Halmstabilität und Inhaltsstoffe des Erntegutes werden ebenfalls  vom P positiv beeinflusst. Übertragen auf das Rind  bedeutet dies deutliche Brunstsymptome, rechtzeitiger Follikelsprung, erfolgreiche Befruchtung, ungestörte embryonale Entwicklung, stabile Skelett- und Knochenentwicklung, Leistungsfähigkeit, Gesundheit, ausgeprägte Immunität und Langlebigkeit. P nimmt also eine zentrale Stellung im gesamten Stoffwechsel ein.

P- Mangel beeinträchtigt die Aktivität der Pansenmikroben und vermindert deren Syntheseleistung (Mikrobeneiweiß, Vit. B-Produktion). Folglich geht die Futteraufnahme mit zunehmendem Energiedefizit zurück.  Fett- und Eiweiß-prozente in der Milch fallen, Fruchtbarkeitsprobleme nehmen zu.

Trockenstehzeit

Energiearme Rationen mit viel Struktur zur Vermeidung einer Verfettung (BCS-Kontrolle !) wegen des Risikos einer Ketose nach dem Abkalben sind meist P-arm und bedürfen einer entsprechenden P-Ergänzung (Trockensteher- Mineral-futter mit 8-10% P bzw. mit 12% P bei Ca- betontem Grundfutter wie Kleegras oder Luzerne).  Phosphorsäure als Anion wirkt vorbeugend gegen das gefürchtete Festliegen (Milchfieber, Hypokalzämie) um bzw. nach dem Abkalben. Beispielsweise haben unsere Großväter  dieses Problem mit der Zufütterung von Weizenkleie (P- reich) gelöst. Besondere Bedeutung hat die P-Versorgung in der Vorbereitungsfütterung (Transitphase), da P die Vitalität der Tiere steigert und die Grundfutteraufnahme fördert. Generell ist P- reiches  Grundfutter schmack-hafter und wird lieber gefressen – ein Appell an die Düngungspraktiken (Boden-untersuchungsergebnisse!) und die Notwendigkeit der Futteranalyse (möglichst 3,8-4,2 g P/kg TM Gesamtration).

Es muß das Ziel sein, dass die Tiere gestärkt abkalben und mit Durchsetzungskraft in die Laktation kommen. Dies ist besonders wichtig für  Färsen, die sich einerseits als Neulinge in der Kuhherde (Laufstall) eingewöhnen müssen und sich andererseits in einer Konkurrenzsituation von Wachsen, Milchproduktion und Fruchtbarwerden befinden. Diagnostisch hat es sich bewährt, von Zeit zu Zeit 3 Wochen vor dem Abkalben die P-Versorgung übers Blut festzustellen (Soll: 6,5-7,5 mg P/dl bzw.2.2-2.5 mmol P/l Blut). Um bei Bedarf kurzfristig den P-Blutspiegel anzuheben, werden verschiedene Präparate wie Boli, Pills, Eingabeflaschen angewandt. Eine der effektivsten P-Verbindung ist das Mononatriumphosphat als Pulver oder Bolus, das zudem  bei ketotische Stoffwechselsituationen entlastend wirkt.

Besonders wichtig bleibt nach wie vor die Versorgung mit bestem Raufutter (Heu) zur Aufrechterhaltung der Pansenaktivität, des Wiederkauens mit genügend Speichelbildung, damit der Phosphor wie auch die Spurenelemente bei einem Pansen- pH- Wert von ca. 6,5 optimal verwertet werden können.

Frischkalbezeit

Mit der Bildung der Kolostralmilch wird dem Organismus rel. viel Kalzium entzogen, da die Biestmilch mehr Ca enthält als die normale Milch. Vitamin D3-Injektion, Ca-Boli, Ca/P-Eingabeflasche kommen in der Praxis als Vorbeuge gegen das Milchfieber zum Einsatz. Ein Mineralfutter für laktierende Kühe mit 16-18% Ca und 6-8% P ist empfehlenswert. Auch in der frischlaktierenden Zeit  (3 Wochen nach dem Abkalben) empfiehlt es sich die Blutuntersuchung als diagnostisches Hilfsmittel anzuwenden.  Die Soll-Werte sind dann 6,0-6,5 mg P/dl bzw. 2.0-2,2 mmol P/l Blut – eine Orientierung, um der Versuchung einer zu geringen P-Versorgung vorzubeugen. Denn besonders in diesem Laktationsabschnitt ist auf  Aktivität der Tiere mit Freßlust und eine problemlose Nachgeburtsphase (Puerperium) zu achten, da sie mit der Milchleistung einen erhöhten Mineralstoff- output haben. In Ställen mit automatischem Melksystem ist die Aktivität der Kuhherde bei gutem Fußwerk Voraussetzung für eine erfolgreiche Milchviehhaltung.

P-Mangelsymptome

Erste Anzeichen von P-Mangel zeigen sich in Form von fadenziehendem, glasklarem Nasensekret, da die Lunge beim Rind anfälliger ist als z.B. beim Pferd. Da der gesamte Energiehaushalt quasi über den Phosphor (ATP-Spiegel) abläuft, zeigen die Tiere bei P-Mangel Müdigkeitserscheinungen und liegen viel, was sich negativ auf die Eutergesundheit mit erhöhter Milchzellzahl auswirkt. Dann müssen immer mehr Kühe in den Melkstand getrieben werden, was im Melkroboterbetrieb nicht sein darf!  Die Tier bewegen sich vorsichtig und ängstlich, sind leicht schreckhaft. Typisch ist im Stehen das abwechselnde Schonen der Hinterbeine (Trippeln). Auch fressen sie weniger, haben eingefallene Hungergruben und entwickeln eine ausgeprägte Lecksucht. Beim Fressen sind sie sehr wählerisch mit auffälligem Herumsuchen im Futter-barren nach feinen Futterbestandteilen. Das Haarkleid wird glanzlos, rau und struppig. Die Tiere pflegen und säubern sich weniger, die Hinterhand ist mit Kot beschmutzt, da sie zunehmend dünn abkoten. Festzustellen ist auch eine leichte Tendenz zur Untertemperatur um 38°C.

P-Mangel äußert sich auch im Umrindern trotz deutlicher Brunstsymptome und normalen Brunstzyklen, da zum rechtzeitigen Eiblasensprung neben leicht ver-fügbarer Energie (Glukose) auch genügend P im Follikel sein muß.

Besteht ein längerer P-Mangel, dann wird zugunsten der Milchproduktion das Skelett ab- und umgebaut: Sprunggelenksverdickung (Abb.3) und Fersenauftreibungen (Abb.4), Einschmelzung z.B. eines Hüftbeinhöckers (Abb.5), Bruch des Rückgrades (Abb.6) und Knochenweiche (Abb.7). Die Tiere „verzehren“ sich buchstäblich und fallen durch Stellungsanomalien (Abb.8) auf. Weiche Klauensohlen, schlechter Klauenschluß, Entzündungen im Zwischenklauenbereich werden ebenfalls  beobachtet. Wegen Klauenschmerzen verharren sie kniend rel. lange auf dem Karpalgelenk (Abb.9), bevor sie sich aufrichten. Sie lahmen und verlieren auffallend viel Gewicht. Immer wieder kommt das sog. atypische Festliegen vor, bei dem sich die Tiere in der Hinterhand nicht auf-richten können, jedoch bei vollem Bewusstsein sind und auch fressen. Im Zu-sammenhang mit P-Mangel lässt sich  auch so manche Nachgeburtsverhaltung (Abb.10) erklären.

Kälber von P-Mangel-Kühen zeigen Immunitätsschwäche, neigen zu Neugeborenendurchfall und Atemwegserkrankungen.

Dr. Siegfried Kalchreuter
Sachsen b. Ansbach, den 17.06.2013
Wiedergabe auf rudolf-leifert.de mit freundlicher Genehmigung