Herbstrundbrief

Das Erntejahr 2013 ist fast abgeschlossen und es gilt jetzt, auf der Grundlage der vorhandenen, betriebseigenen Futtermittel eine Futterplanung für die vor uns liegende Futtersaison zu gestalten.  Ziel muss sein, eine TMR bzw. eine Ration zu gestalten, die über einen möglichst langen Zeitraum gefüttert werden kann, um so zusätzliche Belastungen für die Kuh durch häufigen Futterwechsel zu vermeiden. Dies geht nur mit individuellen Lösungen, bei denen die vorhandenen Silagen des jeweiligen Betriebes in Menge und Qualität berücksichtigen werden. Doch wie ist die bisherige Ernte in Menge und Qualität zu beurteilen?

Maissilagen

© motivation1965 - Fotolia.com

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Die Maisbestände in der Eifel entwickelten sich in diesem Jahr sehr unterschiedlich, dazu kamen in vielen Beständen erhebliche Drahtwurm- und Wildschäden. Es zeigt sich wieder einmal, dass der Maisanbau nicht auf allen Standorten in der Eifel wirtschaftlich ist. Hier sollte in Zukunft genau überlegt werden, welche Flächen zum Maisanbau genutzt werden. Auf Flächen, auf denen im Schnitt der Jahre nicht mindestens 38-40 Tonnen Maissilage mit mindestens 30% TM erzielt werden können, sollte dringend eine andere Nutzung in Betracht gezogen werden.

Luzernegrasansaat unter Hafer Deckfrucht nach Drahtwurmschaden

Luzernegrasansaat unter Hafer Deckfrucht nach Drahtwurmschaden

Grassilage und Heu

© womue - Fotolia.com

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Bei den Grassilagen war durch den langen Winter und die Regenperiode im Mai in den meisten Regionen der Eifel erst Anfang Juni der erste Schnitt möglich. Die Gräser waren zu diesem Zeitpunkt je nach Lage am Anfang des Ährenschieben bis zum Beginn der Blüte. Der überwiegende Teil der Bestände war sehr gut entwickelt, die Untergräser, die in den letzten 2 Jahren durch die Trockenperiode 2011 und die starken Mäuseschäden gelitten hatten, konnten sehr gut regenerieren, so dass in den meisten Regionen der 1. und 2. Schnitt mengenmäßig überdurchschnittlich gut ausgefallen ist. Auch der Schmutzanteil war durch die sehr dichten Narben und die guten Erntebedingungen Anfang Juni gering. Der 3.Schnitt fiel in Folge der Sommertrockenheit gering aus. Der letzte Schnitt wird zurzeit eingebracht, die Qualitäten wird man nach den Analysen der einzelnen Betriebe beurteilen müssen.

Die Heuernte, gerade auf den PAULA Flächen, war dieses Jahr im Juli bei optimalen Witterungsbedingungen möglich. Durch den langen Winter und den verzögerten Vegetationsbeginn waren die Bestände am Ende des Ährenschiebens bis in der Blüte. Es liegen einige Analyseergebnisse vor die zeigen, dass der Energiegehalt bei guten Qualitäten überdurchschnittlich hoch ist. Damit kann dieses Heu durchaus eine günstige Alternative darstellen, um die Rationen wiederkäuergerecht zu gestalten.

Hafer-Erbsengemenge

Hafer-Erbsengemenge

Es zeichnet sich aber ab, dass die Grundfuttermengen und Qualitäten in vielen Betrieben nicht ausreichend sein werde. Jetzt können noch Ersatzfuttermittel wie Heu, Pressschnitzel, Biertreber und evtl. auch Maissilage oder CCM zugekauft werden. Hier kann ich Ihnen bei der Vermittlung von Lieferanten behilflich sein.

Grundfutterqualität und Überlegungen zur Rationsgestaltung der Winterfütterung.

Die Grundlage für eine wirtschaftliche Milcherzeugung ist immer die Qualität des Grundfutters. In den Grünlandregionen bilden die Grassilagen mit einem Anteil von 50-100% den größten Anteil am Grundfutter. Dadurch ergeben sich andere Anforderungen an eine gute Grassilage als in Ackerbauregionen, in denen wir Rationen mit überwiegendem Maisanteil haben. Dies ergibt sich aus der Problematik des Reineiweißabbaus und den unterschiedlichen Anteilen verschiedener NPN Verbindungen am Rohprotein und aus den starken Schwankungen im Energiegehalt und deren Qualitäten, wie Zucker, Zellulose und Rohfaseranteil.

Die genannten Parameter werden aber nicht nur durch die Qualität der Grasbestände und des Schnittzeitpunktes bestimmt, sondern ganz erheblich durch den Silierprozeß. Das heißt, die Fütterung der Milchkühe in Grünlandregionen ist wesentlich komplexer und größeren Schwankungen ausgesetzt,  als die Fütterung in den Ackerbauregionen auf der Grundlage von Maissilagen. Hier ist es dringend notwendig, die Zusammenhänge differenziert zu betrachten und zu praxistauglichen, preiswerten Rationsgestaltungen zu kommen, die auch den Anforderungen an eine hohe Tiergesundheit gerecht werden. Nur so können kann in den Grünlandregionen eine wirtschaftliche Milcherzeugung betrieben werden.

Zu diesen Themen habe ich am 11.11.2013 Herrn Dr. Höltershinken von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover für ein Tagesseminar gewinnen können. Er beschäftigt sich als Wissenschaftler intensiv mit diesen Fragen und kann uns sicherlich wichtige neue Erkenntnisse vermitteln, die uns helfen, die individuellen Fütterungskonzepte auf den jeweiligen Milchviehbetrieben zu optimieren.

Zudem möchte ich Sie auf die Projektgruppe „Gras- und Silagequalität“ hinweisen, die ich im Juni 2013 mit einigen Landwirten gegründet habe. Ziel dieses Projektes ist die langfristige Verbesserung der Gras-und Silagequalität.

Folgende Parameter werden untersucht:

  • Erfassung der Grasbestände mit Nutzungsdauer und bestandsbildenden Gräsern.
  • Erfassung der Düngungsmengen und Düngerformen
  • Bestimmung von Nitrat, Ammonium und Gesamtzucker am Schnittzeitpunkt
  • Erfassung der eingesetzten Siliermittel
  • Einheitliche Beprobung der Silagen 8-10 Wochen nach Fertigstellung der Silagen, Anfang Dezember und, wenn noch vorhanden, im März
  • Beurteilung der Schmackhaftigkeit der Silagen.

Interessenten, die in dieser Gruppe mitarbeiten möchten, können sich gerne bei mir melden.

In diesem Jahr sind bereits auf 12 Betrieben etwa 25  Grasbestände direkt vor dem Schnittzeitpunkt untersucht und Düngermengen und Düngerformen erfasst worden. Mitte Mai habe ich diese Untersuchungen zum Teil in 3-4tägigen Abständen vorgenommen.
Vor allem die Nitrat- und Gesamtzuckergehalte in den Presssäften der Gräser geben deutliche Hinweise auf die Düngerformen, die Aufteilung der Gaben, die Zusammensetzung und die Entwicklung der Bestände.

Presssaftuntersuchung

Presssaftuntersuchung

Sehr interessant ist die Entwicklung der Zuckergehalte. Hier zeigte sich, das zumindest in diesem Jahr:

  • Der Gesamtzuckergehalt zum Ährenschieben und bei abnehmendem Nitratgehalt zunimmt,
  • sehr stark von den bestandsbildenden Arten bestimmt wird und
  • nicht so stark von der Sonneneinstrahlung, wie zunächst angenommen.

Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der Silageuntersuchungen vom 1. Schnitt vor, so dass Rückschlüsse auf die Grasuntersuchungen möglich sind. Zu den üblichen Parametern untersuchen wir den pH-Wert, den Reineiweißgehalt und die NPN Verbindungen Nitrat (NO3) und Ammoniak (NH3). Dabei zeigt sich, dass die Nitrat- und Gesamtzuckerergebnisse aus den Bestandsuntersuchungen in den Silagen bestätigt werden. Auch der Einsatz von Siliermitteln lässt Rückschlüsse zu.

Etwas enttäuscht haben mich die Rohproteingehalte der Silagen. Sie liegen zum großen Teil bei 120-130 g/kg TM. Hier hätte ich 130-150 g/kg TM erwartet.
Sehr unterschiedlich sind die Ergebnisse der Reineiweißgehalte der Silagen. Diese schwanken zwischen 35% und 70 % des Rohproteins. Eine Ursache für die Stabilität des Eiweißes scheint in der TM zu liegen. Alle Silagen mit hohen Reineiweißgehalten liegen im oberen Bereich der TM (45%-75%). Allerdings haben nicht alle Silagen mit hohen TM Gehalten auch hohe Reineiweißgehalte.

Die Ammoniakgehalte (NH3) liegen mit 7-8 % zurzeit noch im empfohlenen Rahmen(unter 8 %). Die Gefahr, dass diese Werte durch weiteren Eiweißabbau durch Clostriedien, Listerien usw. ansteigen, ist in diesem Jahr bei hohen TM Gehalten und sauberen Silagen verhältnismäßig gering. Dieser Prozeß hat im letzten Jahr zu erheblichen Qualitätseinbußen geführt. NH3 Gehalte von bis zu 15 % des gesamt N Gehaltes und Reineiweißanteile von unter 40 % des Rohproteins führten häufig zu Silagen, die von den Kühen nicht mehr gerne gefressen wurden. Aber gerade die Schmackhaftigkeit der Silagen ist  eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine hohe TM-Aufnahme der Kühe und somit für die erfolgreiche Rationsgestaltung.

Auf das Thema Eiweißabbau in Silage und was dabei in der Fütterung und Rationsgestaltung zu beachten ist, wird Herr Dr. Höltershinken in seinen Vorträgen am 11.11.2013 eingehen.
Mit den Energiegehalten der Silagen von ca. 6 NEL  konnte man auf Grund des Schnittzeitpunktes rechnen. Sicherlich wären hier Ergebnisse mit 6,2-6,4 NEL erfreulicher gewesen. Wir müssen uns allerdings in der Milchviehfütterung auch der Tatsache bewusst sein, das wir in besonderer Weise, und dies gerade in den Grünlandregionen der Mittelgebirgslagen wie der Eifel, jedes Jahr mit anderen klimatischen Bedingungen zu tun haben werden. Jeder Landwirt versucht unter diesen Bedingungen immer wieder das Optimum zu erreichen. Dennoch kann es aufgrund von Witterung, Technischen Möglichkeiten und Verfügbarkeiten nicht gelingen, dass alle Landwirte am richtigen Tag das Richtige tun.

Beachten sollten wir in diesem Jahr auch die Mineralstoffgehalte der Silagen. Die Phosphorwerte mit 2,5-3,8 g/kg TM liegen durchaus im normalen Rahmen für die Eifel. Dagegen liegen die Kalziumwerte oft 1-1,5 g niedriger als in den letzten Jahren. Auch die Eisenwerte sollten immer wieder mit untersucht werden. Diese Werte sind in 2013 nicht so hoch wie in den letzten Jahren. Das hat sicherlich auch mit der geringeren Verschmutzung bei der Ernte zu tun. Dennoch finden sich in vielen Regionen der Eifel Werte weit über den 50-100 mg/kg TM, dem eigentlichem Bedarf der Kuh. Untersuchte Werte bis zu 1.500 mg führen unter bestimmten Voraussetzungen zu erheblichen Festlegungen und Einschränkungen in der Wirksamkeit anderer Mineralstoffe und Spurenelemente.

© Visionsi - Fotolia.com

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Soweit einige Gedanken und Anregungen zur Winterfütterung.  Gerne stehe ich für weitere Fragen und Zusammenarbeit zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei der Rationsgestaltung und „Glück im Stall“für die Wintersaison.

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