Grundlagen der Fütterung: Risiken aus biogenen Aminen

Wir haben die hohen Gehalte an NPN-Verbindung in den Pflanzen immer in der Wachstumsperiode, nie in den reifen Samen. Daher ist für uns Menschen als Monogastricher das Nitrat nur in in Salaten oder Wurzelgemüse ein Problem. Ziel der Pflanze ist ja immer, den Samen zur Erhaltung der Art zu erzeugen. ImSamen liegen dann vorwiegend Stärke- und stabile Eiweißverbindungen vor. Die Monogastricher sind nur zur Verdauung von Zucker, Stärke und hochwertigere Eiweißverbindungen in der Lage.

Der Wiederkäuer als spezialisierter Grasfresser kann auf Grund der Pansensymbionten, die ihm die Zelluloseverdauung und die Eiweißsynthese im Bakterieneiweißermöglichen, ausschließlich von den Pflanzen in der vegetativen Wachstumsphase leben. Daher ist die Milchkuh, solange sie mit Gräsern und Futterleguminosen gefüttert wird, nie Nahrungsmittelkonkurent des Menschen. Im Gegenteil, er macht aus dem für uns Menschen nicht verwertbarem Gras eines der hochwertigsten Nahrungsmittel. Dabei ist er in der Milcherzeugung wesentlich effizienter als in derFleischerzeugung.

Die Pflanzen nehmen ja zunächst Nährstoffe und die Energie aus der Photosynthese zur Erzeugung von Blattmasse, also zusätzlicher Assimilationsfläche auf, um so mit möglichst viel Blattmasse möglichst viel Energie durch Photosynthese binden zu können. (ca 670 kcal je Molekühl C₆H₁₂O₆). Blattmasse besteht aber immer auch aus Eiweißen, die aus der Nährstoffaufnahme über die Wurzel (vor allem N und S) mit der Energie aus der Photosynthese in den Pflanzen gebildet werden. Zudem vergrößert die Pflanze ihre Oberfläche indem sie in die Höhe wachsen kann. Dies wiederum funktioniert nur mit der Stabilisierung durch Ligninfäden,die wiederum als Rohfaser immer wichtige Grundlage des Wachstums und der Wiederkäuerernährung sind.

In dieser Wachstumsphase fließen die Nähstoffströme allerdings nicht nur von der Wurzel in die Blätter, es gibt daneben auch einen ständigen Nährstofffluß in die Wurzeln, da diese in dieser Phase ein mindestens so großes Wachstum vollziehen müssen, um die Wasser und Nährstoffaufnahme aus der gesamten Ackerkrume zu erreichen. Zudem müssen bei den Leguminosen auch die Knöllchenbakterien mit Energie versorgt werden. Die Rizosphären sind ähnlich unseren Darmbakterien mit einer natürlichen Rizosphärenflora umgeben, die wiederum entscheidend für die Lösung und Aufnahme anderer Nähstoffe wie Kali, Phosphor usw., sind.

In der Phase des Ährenschiebens bis zur Blüte stellt die Pflanze ihre Stoffwechselvorgänge um auf die generative Phase mit Blüte, Befruchtung um. Die Photosynthese und die Nähstoffflüsse in die Wurzeln werden nach und nach abgestellt. Während der Abreife und Samenbildung werden die nutzbaren Energievorräte aus den Blättern abgebaut und in die Samen verlagert. Dies geschieht auch mit den Eiweißverbindungen. Diesen Vorgang bezeichnen wir als natürliche Proteolyse.

Im natürlichen System haben es die Wiederkäuer zu Beginn der Vegetation mit einer hohen Versorgung verschiedenster N-Verbindungen, Aminosäuren und auch schon fertigen Eiweißen zu tun. In dieser Phase des Weidegangs, also April bis Ende Mai hatten wir immer schon die höchsten Milchleistungen, aber auch die hochsten Harnstoffwerte in der Milch. Diese Phase dauerte allerdings immer nur ca 6 Wochen. Es ist ja auch die natürliche Geburtszeit der wild lebenden Wiederkäuer. Ab Juni findet er dann in der Natur, aber auch in der Standweide, ein breites Angebot von Gräsern, Kräutern und Leguminosen mit unterschiedlichen Reifezuständen. Mit Ende der Vegetation findet er nur noch abgereifte Gräser, allerdings mit hohen Stärkegehalten in den Samenständen. Es folgt dann eine karge Winterernährung in der Phase des Trockenstehens.

Wenn wir nun die Gräser in dieser vegetativen Phase mähen, bleiben die anorganischen N-Verbindungen erhalten. Das sind vorwiegend Nitrat NO₃ und Ammonium NH₄, die Stickstoffverbindungen der Eiweiß-aufbauenden Prozesse im Wachstum.

Auch bei der Heutrocknung werden diese N-Verbindungen nicht verändert. D.h. auch im Heu können hohe Nitratgehalte zu Problemen führen. Im trockenem Heu finden allerdings keine mikrobiellen Prozesse mehr statt.

In den Silagen sind es die klassischen Fäulnisbakterien, die unter Luftabschluss, also im anaeroben Milieu zu Abbauprozessen führen. Am Ende dieser Abbauprozesse entsteht immer Amoniak NH₃. Es ist die Stickstoffverbinung aus den Eiweißabbauprozessen. Zu diesen Fäulnisbakterien gehören auch die verschiedenen Clostridien. Sie können auch in die Kühe eindringen (vor allem wenn die Darmwändenicht in Ordnung sind, z. B. bei Leaky Gut Syndrom dazu Literaturempfehlung, die Arbeiten von Dr. Lance Baumgard und Dr.H.P.Rusch Buch „Bodenfruchtbarkeit“) Titer von Clostridium Perfringens finden wir sehr häufig in Blutuntersuchungen. In einigen Betriebenkonnten wir auch Clostridium Botulinum nachweisen.

Diese Clostridienart produziert das biogene Amin Cadaverien, bekannt als Leichgift. Daher steht auch immer noch die Frage im Raum, ob die biogenen Amine nur in den Silagen entstehen können oder auch in der Kuh. Auch eine Wertung der verschiedenen biogenen Amine in unseren Untersuchungen scheint zur Zeit nicht möglich zu sein. Wir haben die Analysen mit den uns bekannten Fachleuten der Tierärztlichen Hochschulen und der Rinderernährung diskutiert.

Betrieb C 1.Schnitt Nitrat mg / l
Presssaft
Ammonium mg/l
Presssaft
Zucker g/l
Presssaft
Fläche 1 02.06.2013 2200 1440 40,0
Fläche 2 02.06.2013 1340 1010 56,9
Fläche 3 02.06.2013 1490 1190 38,9
Fläche 4 02.06.2013 1470 1280 39,6
Trockensubstanz 507 Reineiweiß 75
Rohasche 83 % vom Rohprotein 41
Rohprotein 183 NO3 5,9
Rohfaser 260 NH3in der FM 1,37
Zucker 118 NH3-N% vo ges.N 7,1
ME (MJ/kg) 10,2 pH-Wert 5,78
NEL ( MJ/kg) 6,1 Ca 3,4
UDP 27 P 3,1
nXP 139 Fe mg 216

Beitragsbild: Couleur per Pixabay

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